
Kräftig ist der Händedruck von Gernot bei der Begrüßung – und warm. Angesichts seiner Produkte wäre alles andere wohl noch das Schönere. Mit seinem handgefertigten Woll- und Walksortiment sorgt der Pruggerer mit seinem Familienbetrieb Huber Strick für natürlichen und wohligen Tragekomfort bei seinen Kunden in nahezu der ganzen Welt.
Am Fuße des Pruggererbergs, dort wo sich die Sonne schon im Herbst schwer tut, dem Raureif zumindest tagsüber Herr zu werden, befindet sich der traditonsreiche Familienbetrieb Huber Walk ganz nahe am Sattentalbach. „Der Standort ist kein Zufall, denn das Wasser wurde immer schon für den Betrieb benötigt“, erklärt Gernot. Eine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1866 zurück und belegt, dass hier eine Lodenstampfe in Betrieb war. Wohl keine Seltenheit in dieser Zeit, denn Lodenstoffe wurden in der Gegend, auch in kleinerem Ausmaße, an mehreren Orten gefertigt. Im Jahr 1929 kam der Betrieb in den Besitz von Familie Huber. Gernots Großvater hatte einiges an wirtschaftlichem Denken für die Vermarktung der Walkstrickwaren, auf die sich der Betrieb mittlerweile spezialisiert hatte, parat. „Er ist in die großen Städte gefahren und hat Kooperationen mit großen Warenhäusern vereinbart“, weiß Gernot, der das Unternehmen im Jahr 1993 wiederum von seinen Eltern übernommen hat. Als gelernter Maschinenbauer hatte er sich damals einer Befähigungsprüfung für Stricker zu stellen. „Da musste ich in Innsbruck ein Werkstück an der Maschine stricken. Vor mir ist eine Frau gesessen, die hat mich nicht einen Moment aus den Augen gelassen“, schmunzelt er. Die Prüfung war erfolgreich, der Grundstein für die Übernahme gelegt und „das Werkstück von meinem Mann haben wir heute noch“, lacht Petra. Allzu lange wird es nicht mehr dauern und der Betrieb geht erneut auf die nächste Generation über. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn es weitergeht“, sind sich die beiden einig. „Wir haben keinerlei Druck gemacht, aber es freut uns sehr, dass Stefan den Familienbetrieb übernimmt.“
In der Pruggerer Manufaktur werden Woll- und Wollwalkwaren für Damen, Herren und Kinder gefertigt, die dafür verwendete reine Schurwolle wird aus Spinnereien in Tirol und Salzburg bezogen. „Unsere Leitprodukte sind die Walkfäustlinge und Walksocken“, erklärt Gernot und zeigt auf zwei mechanische Strickmaschinen, denen man zwar am Design ansieht, dass sie bereits Jahrzehnte auf dem Buckel haben, jedoch wie am Schnürchen laufen. Ein Rattern, ein Klappern und Klicken – Reihe um Reihe entsteht hier ein ganzer Schlauch an Socken. „Die können sehr einfach getrennt werden“, erklärt Gernot, zieht an der dafür vorgesehenen Stelle an einem Faden und hält ein Sockenpaar in Händen. Zugleich verketten sich wie von Zauberhand die Maschen zu einem fertigen Bündchen. Als die Maschine etwas lauter rattert und der Faden einer zweite Wollspule im Inneren der Maschine verschwindet, zeigt Stefan auf den Fersenteil. „Die Maschine verstärkt diese beanspruchte Stelle des Sockens, so wird die Haltbarkeit deutlich erhöht.“ Die Zuverlässigkeit der Strickmaschinen aus den 1960er- und 1970er-Jahren begeistert Gernot, wenngleich er als Maschinenbauer wohl genau weiß, was die „Ladys aus Großbritannien“ begehren. „Wenn eine computergesteuerte Maschine steht, muss ich den Servicemann in Italien anrufen. Ist das Problem übers Telefon nicht lösbar, muss er kommen – das wird richtig, richtig teuer. Geht bei einer der alten Maschinen ein Teil kaputt, kann ich es selbst reparieren oder ich geh zu einem Schlosser, der das Teil schweißt. Im Notfall hab ich auch noch ausrangierte Maschinen zugekauft, denen ich Teile entnehmen könnte“, weiß Gernot die Mechanik sehr zu schätzen. Moderne Strickmaschinen würden auch bei den extra dick gestrickten Fäustlingen aus dem Hause Huber versagen. Bei ihnen wird nach dem Strickvorgang ein Loch eingeschnitten, in das der Daumen separat eingestrickt wird. Auffällig ist an den Strickwaren jedoch, welche die Maschinen verlassen, dass sie sehr groß sind. „Genau genommen, um 60 bis 70 Prozent zu groß – je nach Wolle“, kommt die Antwort schnell und zugleich der nächste Schritt in der Bearbeitung – das Walken.
Im Prinzip handelt es sich beim Walken um ein Veredelungsverfahren, in dem die Schurwolle kontrolliert verfilzt wird. Wärme, Reibung und reines Wasser sind dafür nötig, um kleine Lufteinschlüsse in die Wolle zu bringen und die Socken und Fäustlinge somit noch wehrhafter gegen die Kälte zu machen. Bei Huber Strick wurde ein besonders schonendes Softwalkverfahren entwickelt, das rund vierzig Minuten dauert. Manchmal etwas länger, da sich die Fasern nicht zusammenziehen wollen. Und dann gibt es diese Tage, an denen für den gewünschten Zustand nochmal gewalkt werden muss. „Das hat mit dem abnehmenden Mond zu tun, da funktioniert das Walken nicht so leicht“, vertraut Gernot auf die Weisheit der Vorfahren, während Stefan mit den Schultern zuckt. Als Physiotherapeut mit eigener Praxis, in der er immer nachmittags arbeitet, ist er eher geneigt, sich auf Handfestes zu verlassen. Wie auch immer – die reine Wolle ist eben ein Naturprodukt, in deren Bearbeitung viel Erfahrung und Gespür einfließt. „Mir gefällt es, schöne Produkte herzustellen und damit unsere Kundinnen und Kunden glücklich zu machen“, erklärt Gernot seinen Antrieb.
Nachdem die Socken und Fäustlinge das Walken hinter sich haben, werden sie auf Holzformen in der passenden Größe aufgespannt und damit zum Trocknen aufgehängt. Das dauert rund zwei Tage und kann im Sommer, der stärksten Produktionszeit des Jahres, an schönen Tagen auch nach draußen verlegt werden. „Dabei habe ich schon früh mitgeholfen“, erklärt der 34-jährige Stefan, „und für mich war es immer ganz selbstverständlich, dass ich viel Gewalktes zum Anziehen hatte.“ Die schönste Erinnerung für ihn ist jedoch, dass im Familienunternehmen immer jemand von den Eltern da war. Nach dem Trockenvorgang werden die Holzformen entfernt und jedes Paar Socken und Handschuhe durch eine Maschine, die an eine Bügelmaschine erinnert, geführt. Im Inneren werden die Walkwaren jedoch von kratzigen Disteln und Bürstchen mit Widerhaken erwartet, deren Aufgabe es ist, die wollene Oberfläche aufzurauen. „Das Aufflauschen ist eine weitere gute Methode, um die Kälte noch besser abzuhalten.“ Im Finale werden die wollenen Stücke nochmal kontrolliert, gebürstet und für den Verkauf vorbereitet.
Die Wollmanufaktur aus dem Ennstal hat neben vielen heimischen Kunden auch namhafte Kooperationspartner in ganz Europa und weiten Teilen der Welt. „Unsere Produkte werden von Sportlern, bei Expeditionen, auf der Jagd und von allen getragen, die Wärme in den Händen und Füßen wollen. Besonders die Fäustlinge sind sehr beliebt, so dick gestrickt, sind sie wohl weltweit einzigartig.“ Dass es mittlerweile wieder zum „Lifestyle“ gehört, Wolle zu tragen, merkt Petra im Verkauf. Viele halten bereits seit Jahrzehnten die Treue zum Unternehmen und dessen Produkte, seit einigen Jahren ist jedoch auch verstärktes Interesse von jungen Leuten zu erkennen, die sich vom Naturprodukt Wolle, der Nachhaltigkeit und Regionalität angesprochen fühlen. „Wir reagieren damit auch mit neuen Modellen und frischen Farben in unserem Sortiment. Aktuell laufen die Beanies und Mützen im 70er Retrostil sehr gut und mit unserem Onlineshop haben wir viele Interessierte weit über die Grenzen der Region für unsere Produkte begeistern können.“
Wolle und gewalkte Wolle haben eine lange Tradition, deren positive Eigenschaften die Menschen früher sehr zu schätzen wussten. Der Einsatz von Kunstfasern hat das Naturprodukt zwischenzeitlich zurückgedrängt, doch im Alltag, im Freizeit- und selbst im Sportbereich hat sie sich zu Recht wieder die ihr zustehende Anerkennung zurückgeholt. Wolle ist temperturregulierend, kann somit ganzjährig getragen werden, sie ist atmungsaktiv, geruchsneutralisierend, schmutzabweisend und langlebig. „Auch die Pflege ist einfach – am besten das Kleidungsstück nach Gebrauch im Freien lüften, abbürsten und Flecken mit Essigwasser entfernen. Oft reicht es, das Stück am Saisonende mit dem Wollprogramm in der Waschmaschine zu waschen und mit Lavendel- oder Zirbensäckchen aufzubewahren“, weiß Petra, die alle Fragen ihrer Kunden geduldig beantwortet, um den Ruf der Wolle bestens weiterzutragen. „Und die Wärmeisolation ist unübertrefflich. Obwohl ich zu kalten Hände und Füßen neige, habe ich das mit Wolle hinter mir gelassen – ich bin wohl das beste Beispiel … oder Willi“, lacht Petra und sie zeigt auf den Familienkater, der es sich auf einer Decke aus hauseigener Produktion gemütlich gemacht hat.
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